Kurz gesagt
Verstopfung ist häufig und hängt oft mit Ernährung, Bewegung, Trinkmenge oder Medikamenten zusammen. Ballaststoffe, Bewegung und bei Bedarf gut verträgliche Abführmittel helfen vielen Menschen. Tritt Verstopfung ab dem 50. Lebensjahr neu auf oder kommen Warnzeichen hinzu, sollte sie ärztlich abgeklärt werden, meist mit einer Darmspiegelung.
Verstopfung, medizinisch Obstipation, ist weit verbreitet. Wie oft jemand Stuhlgang hat, ist sehr unterschiedlich: dreimal täglich bis dreimal pro Woche gilt als normal. Von Verstopfung spricht man, wenn der Stuhlgang seltener kommt, sehr hart ist, nur mit starkem Pressen gelingt oder das Gefühl bleibt, dass der Darm nicht vollständig entleert ist. Bestehen diese Beschwerden länger als drei Monate, gilt die Verstopfung als chronisch.
Typische Ursachen
In vielen Fällen findet sich keine einzelne Ursache. Fachleute sprechen dann von einer funktionellen Verstopfung. Mehrere Faktoren tragen dazu bei:
- wenig Ballaststoffe in der Ernährung und zu wenig Flüssigkeit
- Bewegungsmangel, zum Beispiel bei Bettlägerigkeit oder nach Operationen
- Unterdrücken des Stuhldrangs, etwa auf Reisen oder unter Zeitdruck
- Veränderungen im Alltag wie Schichtarbeit, ein Ortswechsel oder eine Ernährungsumstellung
- ein träger Weitertransport im Dickdarm
- eine Entleerungsstörung, bei der Beckenboden und Schließmuskel beim Pressen nicht gut zusammenarbeiten
Daneben gibt es Ursachen, an die man gezielt denken sollte. Dazu zählen Medikamente wie starke Schmerzmittel (Opioide), Eisenpräparate, manche Antidepressiva und einige Mittel gegen Bluthochdruck. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit, eine Schwangerschaft oder ein erhöhter Kalziumspiegel können die Verdauung verlangsamen. Wechseln sich Verstopfung und Durchfall mit Bauchschmerzen ab, kommt ein Reizdarmsyndrom in Betracht. Seltener verengen Polypen oder ein Tumor den Darm.
Wann zum Arzt?
Gelegentliche Verstopfung, etwa auf Reisen, ist kein Grund zur Sorge. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn Ihre Beschwerden länger anhalten und sich mit einfachen Maßnahmen nicht bessern. Das gilt auch, wenn Sie über längere Zeit regelmäßig Abführmittel brauchen, um überhaupt Stuhlgang zu haben.
Zeitnah sollten Sie Verstopfung abklären lassen, wenn sie neu aufgetreten ist und Sie über 50 Jahre alt sind, wenn sich Ihr Stuhlverhalten ohne erkennbaren Grund deutlich verändert hat oder wenn Blut im Stuhl, Gewichtsverlust oder eine Blutarmut hinzukommen. Starke Bauchschmerzen mit aufgeblähtem Bauch, Erbrechen und ohne Abgang von Stuhl oder Winden können auf einen Darmverschluss hinweisen. Das ist ein Notfall, rufen Sie dann 112.
So gehen wir in der Praxis vor
In unserer Praxis beginnen wir mit einem ausführlichen Gespräch. Wir fragen nach Häufigkeit und Beschaffenheit des Stuhls, nach Pressen und dem Gefühl der unvollständigen Entleerung, nach Ernährung, Trinkmenge, Bewegung und allen Medikamenten, auch den frei verkäuflichen. Bringen Sie dazu bitte eine Liste mit, in der auch Abführmittel und Nahrungsergänzungsmittel wie Eisen- oder Kalziumpräparate stehen. Hilfreich ist ein Stuhltagebuch über zwei Wochen. Für die Beschreibung eignet sich die Bristol-Stuhlformen-Skala, eine Bildtafel mit sieben Stuhltypen.
Nach der körperlichen Untersuchung, zu der bei Verstopfung oft auch eine Tastuntersuchung des Enddarms gehört, besprechen wir mit Ihnen, ob weitere Untersuchungen nötig sind oder ob zunächst ein Behandlungsversuch sinnvoll ist.
Welche Untersuchungen helfen
Blutwerte geben Auskunft über Schilddrüse, Blutzucker, Kalzium und eine mögliche Blutarmut. Ein Ultraschall des Bauches kann eine starke Stuhlfüllung und Auffälligkeiten anderer Organe zeigen.
Eine Darmspiegelung ist angezeigt, wenn Warnzeichen vorliegen, wenn die Verstopfung im höheren Alter neu aufgetreten ist oder wenn die Darmkrebsvorsorge ohnehin ansteht. Sie erkennt Polypen und Tumoren, die den Darm einengen können. Polypen entfernen wir in der Regel direkt während der Untersuchung. Häufig ist das Ergebnis unauffällig. Auch das ist hilfreich, denn es erlaubt eine gezielte Behandlung der funktionellen Verstopfung. Bei Menschen mit Verstopfung braucht die Darmreinigung vor der Spiegelung oft etwas mehr Aufmerksamkeit. Wir besprechen das vorab mit Ihnen. Allgemeine Hinweise finden Sie unter Vorbereitung auf die Darmspiegelung. Bei Verdacht auf eine Entleerungsstörung sind spezielle Funktionsuntersuchungen von Enddarm und Beckenboden möglich.
Was Sie selbst tun können
- Steigern Sie langsam den Anteil an Ballaststoffen, etwa durch Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte. Flohsamenschalen sind eine gut verträgliche Ergänzung.
- Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend, sofern Ihnen ärztlich keine Begrenzung der Trinkmenge empfohlen wurde.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, schon tägliche Spaziergänge helfen.
- Geben Sie dem Stuhldrang nach und nehmen Sie sich Zeit, zum Beispiel nach dem Frühstück.
- Ein kleiner Fußhocker vor der Toilette bringt den Körper in eine günstigere Position.
Ballaststoffe wirken nur, wenn genug Flüssigkeit dazukommt. Wer viele Ballaststoffe isst und wenig trinkt, kann die Verstopfung sogar verstärken. Steigern Sie deshalb beides gemeinsam und geben Sie dem Darm einige Wochen Zeit, sich umzustellen. Getrocknete Pflaumen, Leinsamen oder Sauerkraut helfen manchen Menschen zusätzlich.
Reichen diese Maßnahmen nicht, gibt es gut verträgliche Abführmittel. Macrogol ist bewährt und kann nach ärztlicher Rücksprache auch über längere Zeit eingenommen werden. Die Sorge, dass sich der Darm an solche Mittel „gewöhnt“ und dadurch Schaden nimmt, ist bei diesen Präparaten weitgehend unbegründet. Wichtig ist, die Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abzustimmen.